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RUNDGANG DURCH GEMEN

Hier möchten wir Sie zu einem Spaziergang durchs historische Gemen einladen.

 Ausgangspunkt unseres Spazierganges ist der Parkplatz Wettringe, gelegen an der Ahauser Straße 112. Durch eine kleine Fußgängergasse gelangen wir in die Neustraße. Hier biegen wir rechts ab. Am Haus Nr. 5 machen wir Halt.

1. Ehemaliges „Jüdisches Bethaus"
Nach dem großen Brand von Gemen im Jahre 1864 wurde auch das Wohnhaus vom jüdischen Vorsteher Herz Löwenstein wieder aufgebaut. Er richtete auch den Betraum für Gotttesdienste wieder ein. Bis zur Einweihung der neuen Synagoge am 8. August 1912 diente das Wohnhaus mehr als 100 Jahre als Betraum. Im Keller sind noch Reste einer "Mikwe", ein rituelles Reinigungsbad, gefunden worden. In dem Haus befindet sich heute der Friseursalon Rohring. Wir gehen weiter bis zum Ende der Neustraße und biegen links ab. Hier sehen wir schon die alte Mühle mit dem Torhaus.

2. Schloßmühle in der Freiheit
1444 zum erstenmal erwähnt. Die Mühle mit Torhaus bildet den Abschluß der Oberen Freiheit zur Niederen Freiheit. Ausgebaut als Wehranlage diente das Gebäude in Notzeiten zum Schutz der Burg. 1910 wurde das Wasserrad durch eine Turbine ersetzt. 1963 ging die Mühle durch Kauf vom Grafen Landsberg in das Eigentum der Familie Beyer über. Bis Ende der 60er Jahre Mühlenbetrieb, danach nur noch Landhandel. Seit 1999 dient die Mühle nur noch zu Wohnzwecken. Wenn wir das Torhaus durchschritten haben, betreten wir das Gebiet der Oberen Freiheit.

3. Freiheit
Den beiden Inseln, wo die Ober- und die Unterburg ihren Platz haben, sind noch zwei weitere Inseln vorgelagert, auf welchen die "Oberste" und "Niederste" Freiheit sich befinden. Hier waren die Wohnstätten der Burgmänner, der Bediensteten, der Handwerker und Ackerbürger. Sie bildeten einen eigenen, schon 1273 erwähnten Gerichtsbezirk. Deswegen konnte man zu dieser Zeit schon von einer echten "Freiheit" sprechen. Als Freiheit wird seit dem Mittelalter ein Ort bezeichnet, der aus dem Rechtsbezirk der Landesherschaft ausgegliedert war und damit einen besonderen Rechtsstatus besaß. Es gibt nur wenige Nachrichten über die Bewohner der Freiheit im Mittelalter, man weiß aber, dass sie spätestens im 15. Jahrhundert eine Schützengilde bildeten, um sich in unruhigen Zeiten vor Überfällen, Mord und Plünderungen zu schützen. Daran erinnert auch die Gemener Schützenkette mit der Taube und dem Wappenschild von 1470. Linkerhand betrachten wir die Marienkirche mit dem angebauten Kloster.

4. Marienkirche und Klosteranlage
Von 1705 bis 1708 wurde zuerst eine Kapelle errichtet. Zwischen 1719- 1721 wurde ein Franziskanerkloster angebaut. 1728 Weihe der neuen Klosterkirche mit 3 Altären, 1752 Vollendung der Klosteranlage, 1756 Erweiterung der Klosterkirche. Kirche und Kloster sind im barocken Baustil errichtet. Das Kloster hatte in der Vergangenheit als Exerzitienhaus und Müttererholungsheim gedient. Heute nutzt die kath. Kirchengemeinde die Räume für ihre Gemeindearbeit. Die Marienkirche diente bis 1959 der kath. Gemeinde als Pfarrkirche. Als letztes Gebäude auf der linken Seite der Freiheit steht das alte Apothekerhaus.

5. ehemalige Alte Apotheke
Das zweigeschossige Backsteinhaus mit ziegelgedecktem Walmdach stammt aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. In der Zeit um 1850/80 hatte der Apotheker Denninghoff hier seine Apotheke. Heute dient das Gebäude der Jugendburg als Gästehaus. Direkt gegenüber auf der anderen Straßenseite liegt ein Restaurant. Hier hat bis 1822 eine Kirche mit umliegendem Friedhof gestanden.
6. ehemalige Kirche "Fabian und Sebastian" (ohne Abb.)
Die für die Burgmannen und Bediensteten, Handwerker und Ackerbürger in der Freiheit erbaute Kirche "Fabian und Sebastian" fand schon 1373 Erwähnung. Nachdem Jobst II, Herr zu Gemen, 1558 den evangelischen Glauben angenommen hatte, entstand in Gemen eine lutherische Gemeinde. Jobst II erhob die Schloßkirche zur ersten ev. Kirche. 1824 wurde sie wegen Baufälligkeit abgerissen. Teile der Inneneinrichtung Kanzel, Taufstein (1564), Chorgestühl und drei Grabmäler wurden in der damals reformierten Kirche an der Coesfelder Straße (s. Nr. 12) untergebracht. Durch einen Torbogen betreten wir den Burgbereich. Wenn wir zur rechten Seite sehen, steht an der Schloßgräfte ein imposanter Turm.

7. Schleusenturm
Der Schleusenturm diente zum Schutz der Abzugsschleuse der Schloßgräfte, gleichzeitig kann man ihn auch als Wehrturm betrachten. Nach Um- und Anbauten im Jahre 1840 wurde der Turm als Wohnhaus genutzt. Zeitweilig war hier auch die Rentei untergebracht. Heute ist er dem Gästehaus der Jugendburg angegliedert. Steht man auf der Brücke der Schloßgräfte, haben wir den vollen Anblick auf das Wasserschloß Gemen.

8. Wasserschloß Gemen
Imposant, inmitten der westfälischen Parklandschaft gelegen, reckt sich herrisch das Wasserschloß Gemen. Ursprung der ehemaligen Stadt Gemen ist das Schloß Gemen. Erstmalig urkundlich erwähnt wird der Haupthof "Gamin" = Gemen 962. Mathilde, eine Urenkelin Walberts (Walbert ist der Enkel Widukinds und Stifter von Vreden) verfügt 962 über ihr Erbe. Durch eine Urkunde von 1092 ist belegbar, dass die Herren von Gemen die Vogteirechte des Vredener Damenstiftes in erblichem Besitz hatten. In verschiedenen großen Bauabschnitten, welche sich über mehrere Jahrhunderte erstreckten, erhielt das Wasserschloß sein heutiges Aussehen. Heinrich III von Gemen gilt als der große Erbauer der Schloßanlage. Die Bautätigkeiten waren 1411 abgeschlossen, das Äußere der Anlage wurde bis zum heutigen Tage nicht mehr wesentlich verändert. Das Wasserschloß wurde 1946 vom Grafen Landsberg-Velen an das Bistum Münster verpachtet und ist heute eine Jugendbildungsstätte des Bistums Münster. Als Jugendburg Gemen ist sie überregional bekannt. Nachdem wir die gesamte Schloßanlage mit der Vorburg ausgiebig angeschaut haben, verlassen wir den Schloßbereich durch den großen Torbogen, den wir beim Eintritt benutzt hatten. Wir biegen gleich links ab in die Straße Achter der Waake. Kurz vor deren Ende liegt das Haus Nr. 13.

9. "Heimathaus - Haus Grave"
Das ehemalige Ackerbürgerhaus wurde in den Jahren 1989 - 1990 restauriert. Stilelemente aus dem 17. - 20. Jahrhundert sind hier zu finden. Bis 1984 wurde das Haus noch bewohnt von Liesken Grave. Sie gab dem Haus auch den Namen. Am 31. August 1990 wurde das Haus nach der Restaurierung eingeweiht. Seit dem 1. September 1993 dient das Haus dem Heimatverein Gemen e.V. als Heimathaus. Vom Haus Grave gehen wir gleich über die Brücke und sehen dann die kath. Pfarrkirche.

10. "Kath. Kirche - Christus König"
1892 löste sich die kath. Kirchengemeinde von der Pfarre Borken und wurde eigenständige Pfarrei. Das stetige Anwachsen der Gemeinde machte es nötig, eine neue Kirche zu bauen. Die Einweihung der Pfarrkirche "Christus König" fand am 26./27. September 1959 statt. Die Glocken erklangen zum erstenmal in der Osternacht 1962, die Orgel wurde am 20. Oktober 1963 ihrer Bestimmung übergeben. Wir gehen an der kath. Kirche vorbei und stoßen auf die Coesfelder Straße. Direkt gegenüber schauen wir auf ein großes zweistöckiges Gebäude.

11. Ehemaliges ev. Pfarrhaus
Zweigeschossiger fünfachsiger Backsteinbau mit Werksteingewänden, Eingangstür mit zweiseitiger Freitreppe. 1823 wurde das Haus von der ev. Kirchengemeinde erworben und diente als Pfarrhaus bis 1972. Anschließend - bis Mitte der 80er Jahre, war das Bezirksseminar für das Lehramt an Grund- und Hauptschulen hier untergebracht. In dem Haus sind heute Wohnungen eingerichtet. Unmittelbar an der Ecke Ahauser/Coesfelder Straße steht die Ev. Kirche.

12. Ev. Johannes-Kirche
1706 als reformierte Kirche errichtet. Die Einweihung fand am 30.04./01.05.1710 statt. 1818 schließen sich die Lutheraner und Reformierten der Kirchenunion an. Die Kirche ist jetzt gemeinsame Kirche für die unierte Gemeinde Gemen. Als die luth. Kirche "Fabian und Sebastian" 1824 wegen Baufälligkeit abgerissen wurde, wurden Teile wie Kanzel, Taufbecken, Gestühl und 3 Grabmalplatten in die Johannes- Kirche verbracht. Von hier aus geht es über die Ahauser Straße zum Ausgangspunkt Parkplatz Wettringe zurück.

13. Kirchliche Friedhöfe und Gruftkapelle
Die Gruftkapelle wurde 1911 vom Grafen Friedrich II von Landsberg-Velen und Gemen erbaut. Die Gruft wurde seit der Erbauung von der gräflichen Familie genutzt. Die letzte Beisetzung fand im Jahre 1956 statt. Heute wird die oberirdische Kapelle als Aufbahrungsort für die Kirchengemeinden genutzt. Die Gruft hat 36 "Grablegungen", 10 Grabstätten sind belegt.

14. Schönstatt-Au
Die 1946 gegründete Nordprovinz im Säkularinstitut der Schönstätter Marienschwestern erhielt im Jahre 1960 im Becking ihr neues Provinzhaus. Zuerst wurde das Ancilla-Heiligtum eingeweiht. 1972 folgte die Weihe der Kirche "Marie Verkündigung". Im Laufe der Jahre wurde die Schönstatt-Au zu einem Bildungszentrum zur Stärkung des religiösen Lebens. Dem Provinzhaus ist ein Wohn und Pflegeheim für alte Schwestern angegliedert, erbaut 1978.

15. Neue Mühle in Gemenwirthe
Die neue Mühle liegt an der Burloer Straße. Die früheste Erwähnung erfolgte in zwei Verkaufsurkunden von 1373 und 1397. An der Mühle befinden sich Wappensteine von 1461 und 1688. Die Mühle war bis 1939 im Besitze des Hauses Gemen. Heute ist dort ein Landhandel untergebracht.

16. Sternbusch
Um 1730 wurde im Wald, nördlich der Burg, ein Waldpark nach französischen Vorbild angelegt. In gerader Fortsetzung des aus dem Vorsaal des Schlosses über die Gräfte nach Norden führenden Wassersteges wurde eine breite, vierreihige Allee angeflanzt, an der westlich ein 170 x 200 m großer Park entstand. Er war von Wassergräben umgeben und in zwei Hälften aufgeteilt. Die östliche Hälfte war durch zwei Meter breite, mit Hecken eingefaßte Wege in 16 Dreiecke aufgeteilt. In der Mitte trafen sich acht dieser Wege sternförmig und gaben der Anlage den Namen "Sternbusch". Auf ihrem Schnittpunkt erhob sich ein achtseitiges, zweigeschossiges Lusthaus von sechs Metern Durchmesser. Um 1900 verschwand das zur Ruine verfallende Gebäude. Heute sind nur noch Fundamentreste vorhanden. Der westliche Teil der Anlage hieß "Wald". Er wurde von zwei sich rechtwinklig schneidenden Wegen in vier Rechtecke aufgeteilt. In der Mitte stand ein besonders großer Baum. Im Laufe der Zeit entstand ein Hochwald, der nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges abgeholzt wurde. Von dem ehemaligen prächtigen Waldpark ist nichts mehr übriggeblieben. Heute kann man sich nur noch an den vorhandenen Gräben ein ungefähres Bild von der ehemaligen Anlage machen. Der Sternbusch ist heute ein Vogelschutzgebiet.


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